Trauma und Körperwahrnehmung
Die geistige Dimension - Trauma und Körperwahrnehmung
In der Logotherapie nach Viktor Frankl werden im Menschen drei Seinsebenen beschrieben:
die Körperliche, die Psychische und die Geistige Dimension.
Körperlich sind unsere Organe, Zellvorgänge, und physikalischen Prozesse.
Zur psychischen Eben gehören alle unsere Gefühle, Affekte, Triebe, sozialen Prägungen und erworbenen Verhaltensmuster.
Die geistige Dimension ist die Ebene unserer Lebenspläne, Stellungnahme und Entscheidungen, die Ebene von Liebe, Ethik und Gewissen und natürlich von unserer Religiosität und Spiritualität.
Sie beinhaltet die Fähigkeit zur Wahrnehmung von Emotionen und Körperempfindungen. Sie ist fähig zur Entscheidung und Stellungnahme zu den psychischen und körperlichen Gegebenheiten. Ihr entspringt der innere "Beobachter". Sie kann emotionale Prozesse beobachten, halten und steuern!
Unsere Kognition ist ein Werkzeug der geistigen Person.
Negative Gedanken und Gefühle, die ohne unser Zutun kommen, liegen nicht in unserem Freiraum. Gedanken, die ungebeten "angeflogen" kommen und schmerzhafte Emotionen auslösen, sind nicht von uns wählbar.
Doch wie wir damit umgehen liegt in unserem Freiraum: ob wir an ihnen leiden, andere verletzen oder ob wir dem Schmerz mit Mitgefühl begegnen und ihn lösen.
Wir erleben, wir sind nicht unsere Gedanken und Gefühle, wir können darauf schauen.
Wir können die Beobachter unserer Gedanken und Gefühle sein.
Die Instanz, die beobachten kann, entspringt unserem heilen Wesenskern, der heilen Person in uns.
Jede Emotion birgt somit auch immer die Chance, zu dieser heilen Person in uns Kontakt aufzunehmen. Wir können sie wahrnehmen und erleben, dass wir mehr sind als unsere leiderzeugenden Gedanken und Gefühle, mehr als der Schmerz, der uns gerade zu besetzen scheint.
In der Psychotherapie wird seit langem versucht, erlebte Traumatas durch rein kognitive Prozesse und Methoden zu verarbeiten.
Doch die Heilung eines Traumas bzw. einer zurückliegenden seelischen Verletzung ist vor allem auch ein biologischer und körperlicher Prozess, welcher häufig mit psychischen Auswirkungen einhergeht.
Eine Heilungsmethode kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie darauf beruht, eine Verbindung zum Körper herzustellen- ohne dies ist sie nur von einem begrenzten Erfolg.
In der heutigen Traumaforschung gibt es die klare Erkenntnis: Ein Trauma oder eine seelische Verletzung ist nicht im Ereignis gespeichert, sondern im Körper, im Nervensystem.
Das Ereignis ist Vergangenheit, doch der Körper speichert jede Erfahrung.
Deshalb brauchen wir zur Heilung eines Traumatas die vergangenen Geschichten nicht wieder aufzurollen! Wir brauchen dazu intensiven Kontakt zu unserem Körper und zu seinen Empfindungen
Während einer sehr belastenden Situation oder bei einem Trauma wird im Körper zur Bewältigung der Situation sehr viel Energie freigesetzt.
Wird diese Energie aus der Mobilisierung des Körpers (Ausschüttung von Stresshormonen, starke Erregung des Sympathikus) nicht abgebaut und gelöst, erzeugt dies einen hohen Spannungszustand im Körper und kann zu psychischen und körperlichen Krankheitssymptomen führen.
Wie gut es uns gelingt, die entstandenen Spannungen abzubauen, hängt von unseren Vorbelastungen und von unseren inneren und äußeren Ressourcen ab. Wir können uns schneller oder langsamer durch ein Trauma hindurchbewegen, können jedoch auch darin stecken bleiben.
Trauma gehört zum Leben, doch in jedem Menschen ist die Fähigkeit zur Lösung und Heilung angelegt.
Um ein Trauma oder eine gespeicherte Spannung zu lösen, brauchen wir den Kontakt zu unseren Körperempfindungen und zu unseren Gefühlen.
Nur über die Körperwahrnehmung, über das Spüren und Fühlen bekommt der Körper Raum für eine Regulation bzw. einen Spannungsabbau, was sich heilsam auf körperliche und psychische Symptome auswirken kann.
Über die Körperwahrnehmung können wir über bestimmte neurologische Wege (z.B. Beeinflussung des vegetativen Nervensystems) Einfluss auf die Regulationsmechanismen im Stammhirn nehmen.
Wegweisend sind moderne neurobiologische Forschungen.
Die funktionelle Magnetresonanztomografie beweist, dass unser Gehirn und damit unser Denken und Fühlen eine bestimmte Plastizität besitzt, eine ständige Veränderungsfähigkeit.
Reagieren wir auf starke destruktive Emotionen statt wie bisher mit Selbst- oder Fremdverletzung nun bewusst gewählt mit Mitgefühl und Achtsamkeit, hat dies konkrete Auswirkungen im unserem Gehirn. Es kommt zu neuen Verknüpfungen, spezifische Gehirnareale verändern sich.
Es entsteht oder erweitert sich sozusagen ein Weg des Mitgefühls in unserem Gehirn, den wir dank unserer Entscheidung immer wieder gehen können, der zum Habitus werden kann.
Einerseits hat unser Denken und Fühlen Auswirkungen auf die Struktur und Biochemie unseres Gehirns. Andererseits haben die strukturellen und biochemischen Veränderungen in unserem Gehirn wiederum Auswirkungen auf unser Denken und Fühlen.
So kommt es zu tiefgreifenden Veränderungen auf allen drei Seinsebenen, in unserem Körper, in unserer Psyche und in unserem Geist.
"Der Mensch ändert sich nicht durch Zucht und Vorschrift, verändert sich nicht durch Belohnung und Bestrafung, sondern - wenn überhaupt - dann durch die Kraft seines tiefsten Wesens.
Willigis Jäger
Unsere belastenden Emotionen mit Hilfe der Liebevollen Zwiesprache zu lösen kann durch wiederholte Anwendung zu einem selbstverständlichen inneren Weg werden.
Genauso, wie sich alte destruktive Verhaltensmuster konditioniert haben, können wir nun bewusst gewählt den Weg der Achtsamkeit und der Liebe mit Hilfe der Liebevollen Zwiesprache konditionieren.
Der Tenor der bekanntesten Neurowissenschaftler ist: Liebe vermag unser Gehirn zum Wohle aller zu formen.
Im Bild gesprochen:
Wenn wir uns in einem Labyrinth verlaufen haben, brauchen wir zuerst einen sicheren Weg heraus. Erklärungen darüber, wie wir in das Labyrinth gekommen sind und warum wir uns darin verirrt haben, helfen uns in keinster Weise heraus.
Die Frage nach dem Warum eines ausgelösten Schmerzes führt sehr schnell in ein Gedankenkreisen und in eine Sackgasse. Erst wenn wir durch den Schmerz hindurchgekommen und aus dem Labyrinth herausgekommen sind, können wir die Ursachen klarer erkennen, wenn es dann noch eine Bedeutung hat.
Ein dunkler Raum wird nicht heller, indem man das Dunkel heraustreibt, sondern indem man das Licht hereinlässt.
Schauen wir bei einer Person vorwiegend auf ihre Defizite und Störungen, verstärken wir diese, demotivieren und geben keinen Raum für Veränderung.
Der Blick auf das Heile jedoch (ohne das Defizitäre zu verleugnen) schafft Raum für Entwicklung- holt das Bestmöglichste aus dem Menschen heraus.
Durch die Liebevolle Zwiesprache in eine mitfühlende Präsenz zu kommen, öffnet den Raum, damit Licht hereinkommen kann. Wenn wir das Schmerzhafte in uns in mitfühlendem Gewahrsein halten, beginnt eine heilsame Lösung. Licht vertreibt die Dunkelheit einzig durch seine Anwesenheit.
